Die Folgen
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Folge 1
Frau Dörflinger
95 Jahre · 30 Minuten
Für mich ist es aufwärts gegangen. Immer. Dass man dunkle Momente hat, schon — aber ich habe es eigentlich immer positiv gesehen.
Folge folgtFrau Dörflinger, geboren am 18. Mai 1931 in Neumarkt in der Obersteiermark, aufgewachsen in einer Hütte in der Bahnhofstraße: fünf Betten, kein Kasten, kein Licht, kein Wasser, die ersten Schulaufgaben bei der Petroleumlampe. Das Klo war draußen, neben dem Schweinestall, wo die Ratten heraus sind. Später zog die Familie in eine Wohnung im Feuerwehrdepot, mit Toilette am Gang.
Für die Hauptschule in Friesach wurde sie von ihrem Lehrer vorgeschlagen, doch sechzehn Kilometer ohne Zug und der Krieg machten es unmöglich. 1945 endete ihre Schulzeit ohne Abgangszeugnis. Danach überzog sie Militärknöpfe in Scheifling, trug Zeitungen aus, war Vorschülerin im Spital in Friesach und ab 1948 Wärterin und Operationsgehilfin auf der Stolzalpe.
Am Landeskrankenhaus Graz arbeitete sie in der Küche, wurde Betriebsrätin und setzte sich für die Fünfzig-Stunden-Woche ein. Steno und Maschinschreiben lernte sie neben der Arbeit und wechselte später in die Patientenaufnahme und die Verrechnung. Ihr Sohn kam 1957 zur Welt; ihre Mutter lebte die letzten Jahre bei ihr. „Für mich ist es aufwärts gegangen", sagt sie. „Immer."
