Die Folgen
-

Folge 2
Stefanie Schantl
91 Jahre · 42 Minuten
Ich muss mein Geld selber verdienen. Auf dem Standpunkt bin ich vom ersten Tag an gestanden.
Stefanie Schantl, Jahrgang 1934, geboren in Seiersberg und getauft in Straßgang, wuchs als eines von vier Kindern auf — der Vater war fünf Jahre im Krieg, die Mutter hielt die Familie allein durch. Die Bombenjahre erlebte sie im Bunker des Nachbarbauern, das Kriegsende auf der Flucht: eine Nacht zu Fuß nach Mooskirchen, bei jedem Tiefflieger in den Straßengraben.
1948, am Montag nach ihrem letzten Schultag, begann sie als Hausmädchen; es folgten eine Schuhfabrik, ein Kinderarzthaushalt, 23 Jahre in einer Grazer Familie und zuletzt das Odilien-Institut — dazu zehn Jahre lang die Wochenenden als Kellnerin. Zweimal verheiratet, seit Juli 2024 aus eigenem Entschluss in einem Pflegeheim. Ihre Enkelin sagt über sie: „Meine Oma hat nur gearbeitet.“
-

Folge 1
Frieda Dörflinger
95 Jahre · 30 Minuten
Für mich ist es aufwärts gegangen. Immer. Dass man dunkle Momente hat, schon — aber ich habe es eigentlich immer positiv gesehen.
Frieda Dörflinger, geboren am 18. Mai 1931 in Neumarkt in der Obersteiermark, aufgewachsen in einer Hütte in der Bahnhofstraße: fünf Betten, kein Kasten, kein Licht, kein Wasser, die ersten Schulaufgaben bei der Petroleumlampe. Das Klo war draußen, neben dem Schweinestall, wo die Ratten heraus sind. Später zog die Familie in eine Wohnung im Feuerwehrdepot, mit Toilette am Gang.
Für die Hauptschule in Friesach wurde sie von ihrem Lehrer vorgeschlagen, doch sechzehn Kilometer ohne Zug und der Krieg machten es unmöglich. 1945 endete ihre Schulzeit ohne Abgangszeugnis. Danach überzog sie Militärknöpfe in Scheifling, trug Zeitungen aus, war Vorschülerin im Spital in Friesach und ab 1948 Wärterin und Operationsgehilfin auf der Stolzalpe.
Am Landeskrankenhaus Graz arbeitete sie in der Küche, wurde Betriebsrätin und setzte sich für die Fünfzig-Stunden-Woche ein. Steno und Maschinschreiben lernte sie neben der Arbeit und wechselte später in die Patientenaufnahme und die Verrechnung. Ihr Sohn kam 1957 zur Welt; ihre Mutter lebte die letzten Jahre bei ihr. „Für mich ist es aufwärts gegangen", sagt sie. „Immer."
